Lehrplan_21

Die Deutschschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz (D-EDK) hat im Oktober des vergangenen Jahres den viel diskutierten „Lehrplan 21“ zur Verwendung an die Kantone übergeben. Erarbeitet wurde das 470 Seiten starke Werk von den drei EDK-Regionalkonferenzen (NW EDK, EDK-Ost und BKZ). Der Lehrplan 21 ersetzt die bisher geltenden Richtlinien, welche nach Ansicht der D-EDK nicht mehr dem heutigen Wissensstand entsprechen.

Eines der wesentlichen Ziele, die mit der Einführung des Lehrplans verfolgt werden, ist die Harmonisierung des Volksschulunterrichts in den deutsch- und mehrsprachigen Kantonen. Gleichzeitig sollen die betreffenden Kantone regionalspezifische Lern- und Lehrinhalte aufnehmen und ihre Rahmenbedingungen bei der Verwendung des Lehrplans eigenständig definieren.

Kritiker: Aufblähung statt Entrümpelung

Kritiker des Regelwerks vertreten die Auffassung, dass das Volumen des Regelwerks jedes vernünftige Maß überschreitet. Die 470 Seiten zu lesen, stelle nicht nur für Lehrkräfte und Schulleitungen, sondern auch für die Schüler und deren Eltern eine Zumutung dar. Von der versprochenen Entrümpelung könne daher keine Rede sein. Aufgrund der Länge des Werks bestehe zudem die Gefahr, dass der Lehrplan von den meisten Betroffenen nicht gelesen wird.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass im Lehrplan 21 sogenannte Mindestanforderungen formuliert werden. Diese sind nach Meinung der Gegner nicht für alle Schüler erreichbar. Der ohnehin starke Leistungsdruck werde so noch weiter erhöht; zudem stelle sich die essenzielle Frage, was mit den schwächeren Schülern geschehen soll.

Der Wirtschafts-Dachverband Economiesuisse schlägt vor, die Mindestansprüche auszudifferenzieren, da die im 3. Zyklus beschriebenen Kompetenzen nicht in allen Berufszweigen für den Übertritt in die Ausbildung genügten. Der Kanton Bern fordert dagegen, den Begriff „Mindestanspruch“ zu streichen – stattdessen soll der Terminus „Grundanforderung“ in das Papier aufgenommen werden. Die Definition dieses Begriffs soll Sache der Kantone sein.

Volksabstimmungen stehen unmittelbar bevor

Im Kanton Zürich formiert sich bereits seit längerer Zeit Widerstand gegen die Einführung des Lehrplans. Die Kantonsrätin Anita Borer (SVP) lanciert derzeit eine Volksinitiative gegen das Regelwerk. Untersützt wird sie dabei von Vertretern der EDU und der EVP. Das Ziel der Bemühungen besteht darin, das Volksschulgesetz zu ändern.

Dem Komitee gehört auch der Lehrer Hanspeter Amstutz an. Der ehemalige EVP-Kantonsrat ist der Ansicht, dass das Stimmvolk das Recht hat, über eine so tiefgreifende Veränderung selbst zu entscheiden. Amstutz spricht sich klar gegen die geplante Großreform aus. Vor allem das Kompetenzmodell des Lehrplans bereitet ihm Unbehagen. Die Lerninhalte könnten dabei auf der Strecke bleiben, so Amstutz.

Dass es im Kanton Aargau eine Volksbefragung geben wird, ist inzwischen sicher. Rund fünf Monate nach der Lancierung liegt die Zahl der Unterschriften bei über 3000. Die Initiative schlägt einen neuen Lehrplan-Paragrafen im kantonalen Schulgesetz vor, der unter anderem die Unterrichtsfächer der Primar- und Oberstufe festlegt. Nach dem Willen des 45-köpfigen Komitees soll in der Primarstufe künftig nur eine Fremdsprache unterrichtet werden.

 

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